Ich bin mal wieder dabei die fast unendliche Datenbank von www.Airliners.net zu durchforsten. Hier laden Piloten und Hobbyfotografen ihre Fotos von Flugzeugen und Flughäfen hoch. Während ich mir hier also all diese Bilder anschaue kommt mir wieder die Frage: Was faszinierert mich daran so sehr? Und ich gehöre ja wirklich schon zu den Typen die wenn sie nur den leisesten Hauch eines Triebwerkes hören, den Kopf gen Himmel strecken um einen kurzen Blick auf diesen Reisenden zu erhaschen. Für mich gehört zur Faszination Fliegen nicht nur der technische Teil. Vielmehr gehören auch die Faszination Wetter und die Faszination Himmel mit dazu. Die Kombination aus diesen 3 Komponenten ergibt dann manchmal Szenen die mich zum Träumen bringen. Für mich ist eine Reise mit einem Flugzeug nicht einfach ein simples sich fortbewegen. Jede Phase eines Fluges birgt seine eigenen Besonderheiten. Das zum Leben erwecken der Triebwerke, das Stehen am Start und das anschließende Aufheulen der Motoren, der Schub den man am eigenen Körper spürt, das Steigen in den Himmel durch manchmal unzählige Wolkenschichten, das Dahinjagen am Himmel auf dem Cruiselevel, der Sinkflug und das Näherkommen der Erde, das Aufsetzen und die Verzögerung und schließlich das Ersterben der Triebwerke.

Das Starten der Triebwerke ist für mich immer auch etwas besonderes. Schließlich vertraue ich mein Leben auch diesen Aggregaten an. Sie sorgen für den kontinuierlichen Schub der uns in der Luft hält, ja der erst dafür sorgt das wir diesen Ort dort oben erreichen. Das Gefühl wenn das Fahrwerk den Boden verlässt ist für mich ein unbeschreibliches. Plötzlich gleitet man einfach nur dahin. Man steigt und steigt, Eis bildet sich auf dem Fenster. Wolkenfetzen ziehen vorbei, man hört das vertrauenerweckende Summen der Engines. Die Tragfläche schneidet durch den Dunst, plötzlich wird es hell, die Wolken bleiben unter uns zurück, über uns nur das tiefe Blau eines einsamen Himmels. Alles wirkt irgendwie klarer und reiner. 30.000 Fuß unter uns zieht die Erde vorüber. Doch sie ist dort unten, alles was mich stört, was mich besorgt bleibt dort unten zurück. In diese Welt hier oben können diese Dinge nicht mitgehen. Unsere Geschwindigkeit beträgt 800 Kilometer pro Stunde doch wir nehmen das nicht wahr. Der Boden zieht langsam an uns vorbei. Es gibt keine festen Bezugspunkte hier oben. Wir vermögen nicht die Geschwindigkeit wahrzunehmen. Minus 60 Grad sind es dort draußen, jenseits der fragil wirkenden Scheibe. Viel zu wenig Sauerstoff zum Atmen und auch der Luftdruck ist weit niedriger als wir es gewohnt sind. Diese Welt dort draußen ist Lebensfeindlich. Wir können sie nur in unseren Druckröhren bereisen. Und trotzdem, es zieht mich immer wieder hierhin zurück. Hier oben spielen all die Probleme am Boden keine Rolle mehr. Wir sind zwischen den Welten. Wir sind nicht mehr hier und noch nicht dort. Wir sind auf einer Reise. Nirgendwo sonst habe ich mehr das Gefühl, das der Weg das Ziel ist.

Jede Reise geht einmal zuende, so auch diese. Wir verlassen den upper Airspace und sinken gen Erde. Langsam tauchen wir ein in die Welt der Wolken. Es wird trüb, die Sicht wird weniger. Bald kommt der Boden wieder in Sicht, wir können wieder Details entdecken. Das Eis am Fenster schmilzt. Die Klappen fahren aus, das Fahrwerk senkt sich rumpelnd in seine Landeposition. Der Anflug neigt sich dem Ende zu. Immer schneller jagt der Boden unter uns vorbei. Plötzlich taucht die Runway auf, wenige Sekunden noch dann holpert es, wir setzen auf. Die Bremsen greifen, der Schub wird umgekehrt. Wir werden langsamer, verlassen die Piste. Es knackt im Lautsprecher: „Willkommen im Dort……“ Doch für mich wird es bald wieder zum Hier. Denn dann wird es wieder ein Dort geben. Und dorthin wird mich dieses schöne, schlanke Wesen transportieren. Dieses Ding das so viele Menschen doch einfach nur Flugzeug nennen…….

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